Liebe Leserin, Lieber Leser,

Gerade begegneten mir auf der Straße gestiefelte Katzen, Froschköniginnen, Superheldinnen, Piratenprinzessinnen, mannsgroße Teddybären, auf zwei Beinen laufende Kühe und lauter seltsame Gestalten. Nein, ich erzähle hier nicht von Figuren eines Fantasyromans. Das ist
echter Alltag - zumindest im Kölner Karneval. Ein paar Tage lang kann Jede und Jeder in andere Rollen schlüpfen, Grenzen übertreten und "aus sich heraus gehen", wie man so schön sagt. Da gibt's natürlich etliche Männer, die mit Piloten-, Squad-Team- und Chirurgenuniformen knutschtechnisch zu punkten versuchen, sowie Frauen, die das Krankenschwesternkostüm vor allem des Sex-Appeals wegen tragen. Und dann gibt es alles dazwischen, alles kreuz und quer.
Es ist eine wunderbare Fähigkeit, wenn ein Mensch mehr als eine Rolle ausprobieren kann.
Ich denke, deshalb ist Lesen für so viele eine so schöne Beschäftigung:
Dieses In-den-Kopf&Körper-eines-anderen-schlüpfen.
Als Autorin habe ich diese Möglichkeit zum Glück ständig. Jetzt bin ich dann mal ein vierzigjähriger Mann, der noch im Hotel Mama wohnt, und nachher bin ich vielleicht eine Killerin mit Helfer-Syndrom.
Mal sehen wozu ich Lust habe...