Liebe Leserin, Lieber Leser,

Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, das sind doch immer noch die besten Wörter, um den Seelenzustand einer Schriftstellerin zu bezeichnen. Da war ich überglücklich, weil mein neuer Roman erschienen ist und ich wunderschöne Reaktionen darauf erhielt – und Schnipp! erreichte mich gerade die Nachricht, dass meine ersten beiden historischen Krimis in das moderne Antiquariat übergeben werden. Darüber bin ich wirklich traurig, nicht nur aus gekränkter Eitelkeit, denn beide Bücher bedeuten mir auf einer persönlichen Ebene sehr viel. Mehr zu fürchten als den Tod weil es mein erstes veröffentlichtes Buch ist und weil ich damit immer wieder in Schulklassen zu Gast war, die es gelesen haben. Weil ich darüber mit Schülerinnen und Schülern in Diskussion über den Nationalsozialismus kommen konnte. Ein Thema, das mich sehr umtreibt. Gerade erst habe ich mit Morgen bist du noch da den Bogen vom Roman-Genre, zu dem ich gewechselt bin, zu diesem ersten Buch geschlagen. (Es gibt darin zwei Zeitebenen: Heute & zur Zeit des Nationalsozialismus.) Außerdem konnte ich mich über das Erscheinen meines allerersten Buches nie richtig freuen, denn kurz darauf starb meine Tochter. Da geriet alles andere zwangsläufig in den Hintergrund. Diese nichtausgekostete Freude vermisse ich noch immer.
Die Zärtlichkeit des Mörders bedeutet mir so viel, weil ich mich mit dem Schreiben an diesem historischen Krimi in der Zeit der tiefen Trauer am Leben festgehalten habe. Dass beide Romane jetzt eingemottet werden, trifft mich daher.
Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich gerade die Interview-Anfrage einer Schülerin erhalten habe, die über Die Zärtlichkeit des Mörders eine Facharbeit schreibt.
Es sind diese kleinen Dinge, die eine Autorin über Wasser halten...