"Menschen, die Bücher lieben"
Interview 2012

Sie haben die erste Fassung ihres neuen Manuskripts fertig. Können Sie uns schon etwas über den Roman verraten?

Es ist ein Buch über Menschen, die Bücher lieben. Durch diese große gemeinsame Liebe treten einander völlig fremde Personen in Kontakt zueinander. Ich glaube nämlich daran, dass das Lesen Menschen verbindet.

Wie denn? Primär liest man doch für sich allein, oder?

Ja, aber Buchclubs, in denen sich Menschen regelmäßig treffen, gibt es in jeder Kleinstadt. Im Internet findet man Tausende von Buchblogs. Lesen ist erst einmal ein privater Vorgang, sicher, bei den meisten wächst jedoch mit der Zeit der Wunsch, sich über das Gelesene auszutauschen, weil Gefühle geweckt werden. Wir können von Büchern emotional sehr tief berührt sein.

Welches Buch hat Sie denn tief berührt?

„Wie eine Träne im Ozean“ von Manès Sperber zum Beispiel.

Welches Buch möchten Sie unbedingt lesen?

Demnächst werde ich zumindest einen Band von Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ lesen.

Welches Buch möchten Sie noch einmal lesen?

„Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek. Ich habe es vor vielen Jahren mit Begeisterung verschlungen und würde gerne wissen, ob es mich noch einmal so fasziniert wie damals.

Und welches Buch war eine herbe Enttäuschung?

„Ulysses“ von James Joyce. Ich habe mich zwei Jahre lang hindurchgequält. Und in der letzten Zeit: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Gleich drei Exemplare davon habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Mich konnte die Geschichte so gar nicht packen.

Wird sich das Lesen durch E-Books verändern?

Neulich im Urlaub habe ich lauter Leser mit Papierbüchern gesehen und nur eine einzige Leserin mit E-Reader. So viele Menschen lesen also noch nicht ausschließlich elektronisch. Ich glaube sowieso, dass E-Books und Papierbücher nebeneinander bestehen bleiben werden. Da ich persönlich den ganzen Tag am Bildschirm sitze, liebe ich das Lesen von Papierbüchern. Ich lese Sätze auf Papier auch intensiver. Das ist was ganz Sinnliches.

Schreiben Sie Ihre Bücher für sich oder für Ihre Leser?

Erst einmal für mich. Ich schreibe, was ich gerne lesen würde. Aber in der Überarbeitungsphase denke ich natürlich an die Leserinnen und Leser. Schließlich müssen die auch verstehen können, was ich sagen will.

Wie wichtig ist Ihnen, was Leser von Ihren Büchern denken?

Ich liebe es, Mails zu bekommen, in denen mir Leserinnen und Leser erzählen, was meine Romane in ihnen ausgelöst haben. Wenn sie Stellen hervorheben, bei denen ich beim Schreiben sehr emotional gefühlt habe, dann löst das eine Gänsehaut bei mir aus.

Nehmen wir Ihre Bücher. Gibt es ein persönliches Lieblingsbuch darunter?

Immer das jeweils aktuelle. Ich habe ja den Anspruch an mich als Autorin, mich immer weiterzuentwickeln.

Gibt es einen Wunsch an Ihre Leser?

Ich habe noch nie, weder in einem Café, noch in der Bahn einen Leser mit einem meiner Romane gesehen. Das fände ich mal eine tolle Begegnung. Ob ich den Mut hätte, den Leser, bzw. die Leserin anzusprechen? Ich weiß nicht...

Mila Lippke, 2012

Zwanzig Fragen (2010)

Werkstatt-Gespräch (2011)